Plastik im Meer: Fakten, Auswirkungen und neue EU-Regelungen

Unsere Infografiken informieren über die Auswirkungen von Plastikmüll im Ozean. Was unternimmt die EU, um Kunststoffabfälle zu reduzieren?

Die Auswirkungen unserer Einweg-Kunststoff-Wegwerfkultur sind sowohl an den Küsten und Stränden als auch in den Ozeanen zu sehen. Plastikmüll verschmutzt die Meere zunehmend. Einer Schätzung zufolge könnten sich, am Gewicht gemessen, bis zum Jahr 2050 mehr Plastikartikel als Fische im Meer befinden.

Kunststoffe sind einer der sieben Schlüsselbereiche, die von der Europäischen Kommission als entscheidend für das Erreichen einer Kreislaufwirtschaft in der EU bis 2050 angesehen werden. Zur Bekämpfung von Kunststoffabfällen hat die Kommission bereits eine Europäische Strategie für Kunststoffe in einer Kreislaufwirtschaft vorgelegt, welche die schrittweise Einstellung der die Verwendung von Mikroplastik vorsieht. Es wird erwartet, dass die Kommission in diesem Jahr noch weitere Vorschläge zur Reduktion von Plastikabfällen vorlegen wird.

Erfahren Sie mehr darüber, was die EU tut, um die Plastikmüll zu reduzieren.

Infografik zu Plastikabfällen im Meer
Einwegkunststoffprodukte – Infografik

Welche Probleme entstehen?

Die Küsten werden durch den Plastikmüll nicht nur verunreinigt. Der Müll schadet vor allem den Meerestieren, die sich in größeren Teilen verfangen und kleinere Teile für Nahrung halten und verschlucken können. Durch das Verschlucken von Kunststoffpartikeln kann es passieren, dass sie keine normale Nahrung verdauen und sich toxische chemische Schadstoffe in ihren Organismen ablagern können.

Auch Menschen nehmen Plastik über die Nahrungskette zu sich. Die Auswirkungen auf die Gesundheit sind bisher unbekannt.

Zudem verursachen Meeresabfälle wirtschaftliche Verluste - sowohl für die vom Meer abhängigen Sektoren und Gemeinschaften als auch für die Hersteller: Denn nur etwa 5 Prozent des Wertes von Kunststoffverpackungen bleiben tatsächlich in der Wirtschaft - der Rest wird buchstäblich abgeladen.  Ein nachhaltiger Ansatz ist notwendig.


Aufteilung der Abfälle nach Typ
Meeresabfälle nach Kategorie – Infografik

EU-Verbot von Einweg-Plastik

Der effektivste Weg zur Lösung des Problems besteht darin, zu verhindern, dass noch mehr Plastik in unsere Ozeane gelangt.

Einwegkunststoffartikel stellen die größte einzelne Abfallgruppe an Küsten und Stränden dar: Produkte wie Plastikbesteck, Getränkeflaschen, Zigarettenstummel oder Wattestäbchen machen fast die Hälfte aller Meeresabfälle aus.

Auflistung der zehn Produkte
Die zehn häufigsten Einwegkunststoffartikel – Infografik

Um dieses Probelm anzugehen, hat die EU ein Verbot von Einwegplastikartikeln, für die Alternativen in anderen Materialien verfügbar sind, eingeführt. Dazu gehören Wattestäbchen, Besteck, Teller, Trinkhalme, Rührstäbchen und Luftballonstäbchen. Des Weiteren fügten die Abgeordneten Produkte aus oxo-abbaubaren Materialien und Fast-Food-Behälter aus expandiertem Polystyrol zu der Verbotsliste hinzu.

Eine Reihe weiterer Maßnahmen wurde gebilligt:

  • Erweiterte Herstellerverantwortung insbesondere für Tabakunternehmen, um die Anwendung des Verursacherprinzips zu stärken. Diese neue Regelung gilt auch für Fanggeräte, um sicherzustellen, dass die Hersteller und nicht die Fischer die Kosten für die Sammlung auf See verlorener Netze tragen.
  • Sammelquote von 90 Prozent bis 2029 für Trinkflaschen (z.B. durch Pfandrückerstattungssysteme)
  • 25 Prozent-Ziel für den recycelten Inhalt in Kunststoffflaschen bis 2025 und von 30 Prozent bis 2030
  • Kennzeichnungsvorschriften für Tabakprodukte mit Filter, Kunststoffbecher, Damenbinden und Feuchttücher, um Benutzer auf ihre korrekte Entsorgung aufmerksam zu machen
  • Initiativen zur Sensibilisierung für das Thema


Die Berichterstatterin des Parlaments war Frédérique Ries (Renew, Belgien).

Eine Schildkröte und ein Plastikbeutel im Meer
Das EP befasst sich mit dem Problem von Plastikmüll im Meer ©AP images/European Union – EP

Auswirkungen der Meeresabfälle auf die Fischerei

In einer am 25. März angenommenen Entschließung fordert das Europäische Parlament Maßnahmen zur dringenden Reduzierung der Meeresabfälle, darunter noch mehr Beschränkungen für Einwegplastik und die verstärkte Verwendung von nachhaltig hergestellten Materialien für Fischfanggeräte.

Die Abgeordneten betonen, wie sehr Meeresabfall die Ökosysteme, die Verbraucherinnen und Verbraucher sowie die Fischerinnen und Fischer und die Fischerei an sich schädigt.

730

Tonnen Abfall landen jeden Tag im Mittelmeer.

Fischerei- und Aquakulturabfälle machen 27 Prozent des Meeresabfalls aus. Um das Phänomen der „Geisterfanggeräte“ (auf See verlorene Fanggeräte) zu bekämpfen, fordern die Abgeordneten die Entwicklung neuer Instrumente, um verlorene Fanggeräte zu identifizieren sowie Investitionen in Forschung und Innovation zur Entwicklung umweltfreundlicher Fanggeräte. Die Abgeordneten fordern die Kommission zudem auf, die Verwendung von Styropor-Behältern und -Verpackungen für Fischereiprodukte sowie von unnötigem Plastik und nicht notwendigen Verpackungen im Allgemeinen zu verbieten.

Außerdem sprechen die Abgeordneten sich dafür aus, dass die Situation der Meere im europäischen Grünen Deal, in der EU-Biodiversitätsstrategie und in der Strategie „Vom Hof auf den Tisch“ mehr in den Blick genommen wird. Sie fordern die Kommission auf, die Entwicklung einer Kreislaufwirtschaft in der Fischerei- und Aquakulturbranche zu beschleunigen.

Mehr darüber, was das Parlament zur Bekämpfung der Plastikverschmutzung tut

Facebook-Live-Interview mit der Abgeordneten Catherine Chabaud (Renew Europe, Frankreich), die den parlamentarischen Bericht über die Auswirkungen von Abfällen im Meer auf die Fischerei ausgearbeitet hat.